"Hallo, Housekeeping": Wer einen Hang zur Langschläferei hat, für den kann so manches Hotel zur Qual werden. Mindestens zur Gewissensqual.
Von Oliver Graue
Eigentlich war ich gerade erst angereist. Ich hatte eingecheckt, meinen Koffer gegriffen ("Nein, danke, ich kann ihn selber hochtragen, er ist nicht so schwer.") – und hatte mein Zimmer aufgeschlossen. Uff! Tut gut nach der langen Reise, erstmal kurz aufs Bett legen. Also: Schuhe aus, Hose aus, und runter mit dem Hemd. Gefühlte 15 Sekunden später klopft es an der Tür. Wieder rein in Hemd und Hose. "Housekeeping", lächelt mich die junge Dame unschuldig an: "Alles in Ordnung bei Ihnen?"
Natürlich: alles klar. Danke. Raus aus Hemd und Hose und aufs Bett. Etwa drei Minuten vergehen, bis es erneut an der Tür klopft. Rein in Hemd und Hose. "Ich möchte Ihre Minibar auffüllen", sagt die Dame. Wenn's denn sein muss.
Muss ich noch betonen, dass mich am Morgen – nein, nicht das Zimmermädchen – sondern der unsanft gegen die Tür knallende Putzfeudel aus dem Bett warf? Nur den Gesprächen der Reinigungskräfte untereinander konnte ich nicht ganz folgen, was aber nicht an der mangelnden Lautstärke lag, sondern allein an der für mich fremden Sprache. Zugegeben: Es war schon 9:30 Uhr, aber mein Termin sollte erst um 12 Uhr sein, und am Vorabend war es sehr, sehr lang geworden.
Das anschließende freundliche Klopfen an meiner Tür muss ich überhört haben, denn die Frau, die plötzlich vor mir stand, sah mich an, als sei ich ein gemeiner Eindrinling und habe hier überhaupt nichts zu suchen. "Housekeeping", stammelte sie nach einer Weile, entschuldigte sich und ging wieder hinaus.
Was tut man, wenn man am Vorabend vergessen hat, das "Bitte nicht stören"-Schild hinaus zu hängen? Oder wenn es beim Schließen der Tür von der Klinke gefallen ist? Oder – noch schlimmer – es sich gedreht hat (vielleicht auch von einem nächtlichen Scherzkeks gedreht wurde) und es nun verkündete: "Bitte aufräumen"?
Angenommen, die Putzkraft klopft dennoch zunächst an: Was antwortet man dann eigentlich als korrekter Hotelgast? Ein "Nein" wäre sicher zu unhöflich. "Ich schlafe noch" klingt komisch: Wer mag das schon reinen Gewissens von sich behaupten, um 9:30 Uhr? "Bleiben Sie draußen!" hört sich an, als wäre gerade ein Mord passiert oder eine Geiselnahme im Gange. Und überhaupt: Wenn ich sie jetzt nicht reinlasse, muss sie dann womöglich Überstunden schieben? Nur weil ich nicht rechtzeitig aus dem Bett gekommen bin?
Für einige Urlaubstage buchte ich kürzlich eine kleine Pension auf dem Lande. Endlich ausschlafen! Ungestört! Gleich beim Eintreffen fragte mich die Wirtin, wann ich denn frühstücken wolle am nächsten Morgen. "Wann geht es denn?" "Egal, suchen Sie sich eine Zeit aus!" "Wäre 9:30 Uhr okay?" Die Dame wurde leicht blass. "Also, bis 8:30 Uhr Uhr möchte ich eigentlich schon fertig sein damit ..." So ist das eben auf dem Land.