Das Start-up Justbook bekommt Gegenwind von Marktführer HRS. Der macht seinen Anspruch auf Ratenparität geltend. Erste Hotels ziehen ihre Angebote bei Justbook zurück.
Er klingt ruhig, wenig emotional und spricht langsam. Seine Worte scheinen wohl überlegt. Doch Florian Waldmann, einer der vier Geschäftsführer des neuen mobilen Hotelschnäppchen-Anbieters Justbook (fvw.de berichtete), ist empört: „Da versucht jemand, mit Marktmacht einen jungen Wettbewerber aus dem Markt zu drängen.“ Einen Tag nachdem das Unternehmen mit seinem mobilen Last-Minute-Angebot für Hotelübernachtungen auf den Markt kam, soll HRS nach Waldmanns Schilderungen „Droh-Mails und Anrufe an Partnerhotels“ getätigt haben. Mehr als zehn Hotels sollen dem Marktneuling, der ab mittags Restbetten mit Rabatten von bis zu 50 Prozent mobil buchbar macht, daraufhin ihre Angebote entzogen haben. „Unsere Hotelpartner haben entweder die Preise erhöht oder ihr Angebot komplett zurückgezogen“, sagt Waldmann. Mit insgesamt 50 Hotels war die mobile Buchungsanwendung auf den Markt gekommen.
Es ist die alt bekannte Geschichte: HRS fordert Ratenparität auf allen Kanälen. Sprich, das Kölner Portal möchte, dass ihm die Hotels die selben Raten geben wie dem Schnäppchen-Portal. Bei „routinemäßigen Untersuchungen ist aufgefallen, dass einige wenige Hotels hier abweichende Raten aufgewiesen haben“, sagt HRS-Chef Tobias Ragge zu den Vorwürfen. HRS wies die Hotels bei der Gelegenheit daraufhin, ebenfalls Last-Minute-Rabatte anzubieten, „da fast allen diese Rabattform bei HRS leider nicht bekannt gewesen ist“, so Ragge.
Justbook kann das Pochen von HRS auf Ratenparität und Gleichbehandlung nicht nachvollziehen, schließlich hätte ihr Modell einen anderen Ansatz. Man habe ausschließlich einen mobilen Buchungskanal, „was HRS technisch nicht darstellen kann“, argumentiert Waldmann. Außerdem bewerbe Justbook täglich drei Hotels aus verschiedenen Kategorien. Die Partnerhotels zahlen eine Startgebühr von 500 Euro an Justbook, die Kommission liegt bei „etwa 20 Prozent“. HRS hingegen verlangt lediglich eine Kommission von aktuell 13 Prozent und ab 1. März 15 Prozent. Das Start-up, das gerade weitere Standorte in europäischen Städten aufbaut, erhofft sich schnell Hilfe vom Kartellamt. „Die prüfen den Fall bereits“, so Waldmann.
Lesen Sie mehr zum Thema Ratenparität, Wettbewerb im Portalmarkt und den Ambitionen von Marktführer HRS in der Titelgeschichte der fvw, die am Freitag (3. Februar) mit einem HRS-Exklusiv-Interview erscheint.